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Joachim Brandmaier (63): „26-mal im Jahr, und das seit über vier Jahrzehnten – damit habe ich über 1.000 Leitartikel verfasst. Meist ging es um Qualität, Streuung und Geduld.“
Herr Brandmaier, Sie sagen immer das Gleiche ...
Liebe Newsletter-Leserinnen und -Leser,
ja, da haben viele Leser Recht - ich muss Ihnen heute mal etwas anvertrauen: Manchmal fällt es mir echt schwer, in meinen vielen Kommentaren und Leitartikeln etwas komplett Neues zu schreiben, das Ihnen als Langfristanleger weiterhelfen könnte. Warum? Weil sich ein guter Rat nicht ständig ändert, ein guter Rat sollte schließlich in allen Situationen gelten.
Sie kennen meine drei Anlagegrundsätze: auf Qualität setzen, breit streuen, Geduld haben. Das ist eigentlich auch schon alles. Mehr ist es nicht. Spannender wäre es sicherlich, Ihnen immer wieder ein neues Rezept zum schnellen Glück zu verraten. Also Top-Tipps, die bei geringem Risiko fixen Reichtum versprechen. Andere Magazine sind ja voll damit, mal sind es Lithium-Aktien, dann Kryptowährungen oder seltene Erden dann wieder 3D-Druck, Spacs oder Cannabis-Aktien.
Klar kann man mit solchen Aktien mal den schnellen Euro machen, das will ich gar nicht abstreiten – man kann damit aber auch ganz schnell viel verlieren. Trotzdem ist das allemal spannender, als Colgate, Beiersdorf oder Danaher 20 Jahre liegen zu lassen. Hinzu kommt, dass uns die Finanzexperten aller Couleur ständig erzählen, dass von Nichtstun auch nichts kommt. Dass man aktiv sein muss! Hauptsache, man legt nicht die Hände in den Schoß. Wenn die Kurse hochschießen wie im letzten Jahr muss man doch auch mal Gewinne mitnehmen. Das gilt auch für die andere Richtung: Wenn die Kurse fallen kann, man die Rückgänge nicht einfach ignorieren und nur untätig danebenstehen, mann muss dann doch einfach aktiv werden ...
Meine Meinung: Nein, muss man nicht! Nichts tun klingt langweilig, aber glauben Sie mir: Es lohnt sich! Gute Aktien einfach liegen zu lassen, rentiert sich auf lange Sicht. Und es ist ja nicht so, dass wir gar nichts machen. Bereits im Neuen Jahr gab es sogar schon eine Aufstufung - und es wird bestimmt auch noch weitere Auf- aber bestimmt auch Abstufungen geben. Aber so etwas hat bei uns fast schon Seltenheitswert. Ich wage sogar zu behaupten: Vermutlich fährt man langfristig mit einem breit gemischten Wachstumswertedepot besser, selbst wenn man an gefallenen Engeln wie 3M, Exxon, General Electric, ING, HSBC oder IBM festhält, als mit jedem Daytrading, Stockpicking oder wenn man dauernd aktuellen Trends hinterherjagt.
Der berühmte Börsenaltmeister Warren Buffett hat einmal gesagt: „Unsere bevorzugte Haltedauer ist für immer.“ Ich finde, das ist ein gutes Motto, das man immer beherzigen sollte.
In diesem Sinne,
ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Börsenwoche, Ihr |