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Wichtig sind weniger die einzelnen Monate, sondern dass die Börse auf lange Sicht nach oben zieht.
Wendling: Was sagen Sie zu den aktuellen Bedingungen an der Börse, Stichwort Zölle, Zinsen, Steuern und Wirtschaft?
Brandmaier: Wenn man die Medien verfolgt, gewinnt man schnell den Eindruck, es sei furchtbar schlecht bestellt um die Wirtschaft. Vor allem Trumps Zölle würden den Handel zum Erliegen bringen. Doch weit gefehlt: Im ersten Halbjahr hat der Welthandel um 300 Milliarden Dollar zugenommen! Noch mal: zugenommen! Auch in die USA wurde mehr importiert – unter anderem, weil beim Thema Zölle vieles heißer gekocht als gegessen wird. Die Zinsen haben jetzt auch in den USA begonnen zu sinken, die Steuern sollen gesenkt werden, Deutschland hat seinen Investitionsplan – ich glaube, es gab schon schlechtere Rahmenbedingungen an der Börse ...
Wendling: Wenn es also eigentlich gar nicht so schlecht aussieht, könnte dann die negativ angehauchte Berichterstattung der Grund sein, warum viele Menschen die Hausse nicht verstehen – und auch nicht investiert sind?
Brandmaier: Wir haben gerade in Deutschland noch immer zu wenig Menschen, die Geld in Aktien stecken. Und dann ist hierzulande generell das Glas eher halb leer als halb voll. Ganz im Gegensatz zu meiner Lebenseinstellung (lacht). Da haben die Medien durchaus ihren Anteil daran. Ein abgestürztes Flugzeug ist dramatischer als 100.000 Flugzeuge, die Tag für Tag sicher landen. Genauso ist es an der Börse: Kracht es da mal ordentlich, wird fast schon schadenfroh berichtet; wenn die Kurse steigen, wird vor dem nächsten Crash gewarnt. Fakt bleibt aber: Man darf nicht nur die Risiken sehen, man muss auch die Chancen erkennen. Denn auf lange Sicht steigen die Kurse. Und das zählt für mich – und natürlich für unsere Leser.
Wendling: Also die dauernden Warnungen der angeblichen Börsenexperten einfach ausblenden?
Brandmaier: Ach, wissen Sie, ich kann mich an kaum eine Zeit erinnern, in der nicht irgendeiner gewarnt hätte. Wirklich gefährlich wird es vielmehr, wenn keiner mehr warnt und alle nur noch vom schnellen Reichtum träumen.
Wendling: Sie bleiben also bei Ihrem Motto?
Brandmaier: Jeder Tag ist Kauftag! |