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Joachim Brandmaier (62), Herausgeber des Stuttgarter Aktienbriefs: „Zwar haben an der Börse manchmal die kuriosesten Dinge Auswirkungen auf die Kurse – ein Pferderennen in England gehört aber immerhin nicht mehr dazu.“
Breit gestreut, nie bereut ...
Liebe Newsletter-Leserinnen und -Leser,
kennen Sie den St. Legers Day? Vermutlich nicht – und das ist auch nicht weiter schlimm. Denn hierzulande interessieren wir uns einfach kaum für das Pferderennen „St. Leger Stakes“ in der Nähe von Manchester. Bei manch traditionsbewusstem Börsianer sieht das aber anders aus: Der St. Legers Day steht da symbolisch für die Rückkehr des britischen Adels an die Börse. Während früher die Aktienkurse in den Sommermonaten in der Regel gefallen waren, begannen sie durch das Geld der Adligen anschließend im Winterhalbjahr wieder zu steigen.
Heute sieht das natürlich ganz anders aus als im 18. Jahrhundert – dank des Onlinehandels und rund um den Globus vernetzter Börsen gibt es fast überhaupt keine Handelspausen mehr, auch nicht im Hochsommer. Ein bisschen Saisonalität haben sich die Weltmärkte aber doch bewahrt: Beim Mini-Crash Anfang August schien es kurz, als ob die Sommerflaute mit gehöriger Kraft zurückkehrt.
Zwar wurde der Rückschlag schnell wieder aufgeholt, manche Beobachter werteten das aber als erste Vorboten einer Branchenrotation; weg von Tech-Werten, hin zu defensiveren Titeln. Nun haben beispielsweise einige Konsumaktien für meinen Geschmack durchaus noch Nachholbedarf, während viele Technologietitel in den letzten Jahren kräftig gestiegen sind und in der Nähe des Allzeithochs notieren. Aber aus reinen Timing-Versuchen heraus die „Pferde“ zu wechseln halte ich für einen Fehler.
Überhaupt ist es für uns Wachstumsstrategen weniger wichtig, welche Branchen gerade angesagter sind und welche eher auf dem kurzfristigen Abstellgleis parken. Schließlich weiß man das nie im Voraus und auch nie, wann der Wind umschlägt. Daueranleger sollten im Optimalfall sämtliche Bereiche im eigenen Depot abdecken. Damit verringert man die Auswirkungen und Gefahren von davongaloppierten Kursen in der einen oder von lange hinterherhinkenden Kursen in der anderen Branche. Um es auf den Punkt zu bringen: Breit gestreut, nie bereut!
Kommende Woche ist es übrigens wieder so weit: Beim Galopprennen „St. Leger Stakes“ treten zehn Pferde und ihre Reiter gegeneinander an. In England ist das ein Riesending – nicht zuletzt für die Wettanbieter. An der Börse werden sich die Auswirkungen hingegen in Grenzen halten. Wetten?
In diesem Sinne, ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Wochenende, Ihr
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