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Für unseren Herausgeber Joachim Brandmaier ist die Dividende ein wichtiger Baustein beim Vermögensaufbau. Im Gespräch mit Patrick Brun teilt der schwäbische Oberwachstumsstratege seine Gedanken rund um die Gewinnbeteiligung.
Patrick Brun: Das Thema Dividende liegt Ihnen persönlich sehr am Herzen, wobei ich gehört habe, dass das nicht immer der Fall war. Wie kam es denn zu diesem Umdenken? Joachim Brandmaier: Das stimmt. Als ich in Ihrem Alter war und auch noch ein paar Jahre später war die Dividende für mich eigentlich nur eine Randgeschichte, wenn überhaupt. Wie toll so ein passives Einkommen sein kann, wurde mir erst so richtig klar, als ich Mitte der Neunzigerjahre das erste Mal Vater wurde. Sie kennen ja sicherlich die Geschichte, dass die Dividenden von Procter & Gamble mir zumindest teilweise die Windeln meines Sohnes finanziert haben. Und heute kassiere ich pro Jahr sogar mehr Dividende, als ich damals für die ganzen Aktien gezahlt habe. Ich habe das mal „schwäbischer Return on Investment“ getauft. Und daraus wurden dann mit der Zeit einige Grundsätze zum Umgang mit der Dividende.
Brun: Lassen Sie unsere Leser daran teilhaben? Brandmaier: Selbstverständlich. Zuerst sollte ein Unternehmen über einen möglichst langen Zeitraum zuverlässig eine Gewinnbeteiligung an die Aktionäre ausschütten. Diese Beständigkeit ist die erste Stufe. Noch besser ist natürlich, wenn kontinuierlich mehr Geld fließt, die Dividende also regelmäßig erhöht wird. Den regelrechten Dividendenturbo zündet dann jeder Anleger selbst, wenn er die erhaltenen Summen wieder anlegt.
Brun: Am Telefon fragen unsere Leser manchmal, ob man vor allem auf dividendenstarke Aktien setzen soll. Brandmaier: Natürlich gibt es auch tolle Aktien, die keine oder zumindest noch keine Dividende auszahlen. Das sind vor allem Technologietitel wie Alphabet, Amazon oder Adobe, die das Geld erst mal sozusagen in sich selbst investieren. Eine solide Ausschüttungspolitik zeigt aber, dass es in dem Unternehmen rundläuft. Und es gibt ja zahlreiche Studien, die zeigen, dass Dividendenaktien langfristig deshalb im Schnitt auch mehr Rendite bringen. Im Endeffekt macht es sicherlich eine gesunde Mischung. Aber man sollte auf keinen Fall auf Dividendentitel verzichten!
Brun: Auf welche Dividendenkennzahlen sollen die Börsianer denn vorrangig achten, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen?Brandmaier: Wichtig ist zunächst mal, die klassischen Fehler zu vermeiden, also beispielsweise nur auf die reine Dividendenhöhe zu schauen. Und dann gibt es eine ganze Reihe an wertvollen Dividendenkennzahlen wie unsere selbst entwickelte Steigerungsrate DSR oder die Angabe, wie lange ein Unternehmen schon am Stück zahlt. Alle Statistiken zu unseren Wachstumswerten findet man übrigens zum Beispiel auf unserer Website, im Jahrbuch und auch immer wieder in unseren Texten. Nehmen wir zum Beispiel Emerson …
Brun: … den amerikanischen Mischkonzern, der vor allem auf Automatisierung setzt. Brandmaier: Richtig. Wenn ein Anleger jetzt gerade überlegt, ob er Aktien von Emerson kaufen soll, dann sieht er rein oberflächlich eine Dividendenrendite von 2,2 Prozent. Was aber auf den ersten Blick gar nicht rauskommt, ist, dass Emerson schon seit 1947 eine Dividende auszahlt. Und jetzt kommt’s: sogar schon seit 1957 jedes Jahr ein bisschen mehr. Das muss man sich mal vorstellen: Die haben also angefangen, ihre Dividende zu erhöhen noch vor meiner Geburt. Von Ihrer ganz zu schweigen. Und ziehen das bis heute jedes Jahr so durch. Und dann sieht man eben schon, was für eine hohe Qualität in einem solchen Unternehmen steckt. Aber wie gesagt, dafür ist mindestens ein zweiter und genauerer Blick auf das große Ganze nötig. Oder man liest halt den Stuttgarter Aktienbrief und erfährt das von uns (lacht). |