|
Zwei unverbesserliche Optimisten tauschen sich aus
Dieter Beck: Herr Brandmaier, darf ich Sie einen „hoffnungslosen Narren“ nennen?
Joachim Brandmaier: Sie dürfen fast alles! Aber ich weiß, worauf Sie anspielen: Auf einen Bericht der BILD-Zeitung. Die hatte uns vor 35 Jahren als „hoffnungslose Narren“ bezeichnet, als wir 1987 im großen Börsencrash zum Aktienkauf bliesen.
Also zu einer Zeit, als Sie beim Stuttgarter Aktien-Club noch den Ruf des Optionsschein-Spezialisten hatten?
Das stimmt, damals war ich noch ein junger Draufgänger und unser Aktienclub noch weit von einer soliden Anlagestrategie entfernt. Aber wir waren schon Optimisten und sicher: Die Börse wird sich erholen! Dafür ernteten wir viel Hohn und Spott.
Aber Optimismus allein hat wohl nicht gereicht. Sie haben dann irgendwann von den heißen Tipps auf eine solidere Strategie umgeschwenkt.
Ja, schließlich musste ich damals viel Lehrgeld bezahlen. Schlimm wird es nur, wenn man im Laufe des Lebens diese Zockermentalität nicht ablegt. Ich kann den Börsenanfängern, aber auch den alten Hasen nicht oft genug erklären: An der Börse wird absolut überschätzt, was kurzfristig möglich ist, und leider völlig unterschätzt, wie sich die Gewinne langfristig aufbauen.
Deshalb lautet heute das Motto: Jeder Tag ist Kauftag!
Schön gesagt, Herr Beck. Aber es stimmt schon: Weil man immer erst im Nachhinein weiß, wann ganz oben und wann ganz unten ist, investiert man als Langfristanleger immer dann, wenn einem Geld zur Verfügung steht – unabhängig von der aktuellen Börsenlage. Jeder Tag ist Kauftag!
Manch einem klingt diese Strategie zu blauäugig.
Mag sein. Aber in fast 40 Jahren an der Börse habe ich gelernt, dass sich diese Vorgehensweise auszahlt. Und eben Optimismus. Man geht nicht nur entspannter und positiver durchs Leben, Optimismus bringt auch die bessere Performance im Depot. Wer immer wieder versucht, durch Taktieren möglichen Gefahren auszuweichen, Schwankungen auszunutzen und somit der Börse ein Schnippchen zu schlagen, schadet langfristig nur sich selbst – finanziell und manchmal auch gesundheitlich. Deshalb lautet meine eindringliche Empfehlung: Schwankungen nicht ausnutzen, sondern aushalten!
„Kaufen und liegen lassen“ funktioniert aber nur mit den richtigen Aktien. Genau, nämlich mit unseren Wachstumsaktien. Vermutlich funktioniert das auch mit vielen anderen, man muss dann halt unter Umständen noch mehr Geduld und gute Nerven aufbringen. Unsere Bewertung mit vier oder fünf Diamanten soll zeigen, dass diese Aktien in der Vergangenheit die stabilste Aufwärtsbewegung hatten – was noch lange keine Erfolgsgarantie für die Zukunft ist, aber eine höhere Wahrscheinlichkeit verspricht als mit irgendwelchen spekulativen Zockerpapieren.
2022 hat die Börse deutlich korrigiert, insofern wäre ja eine gute Gelegenheit zum Aktienkauf?
Absolut. Und weil ich derzeit so vehement wie eh und je zum Aktienkauf trommle, dürfen Sie mich ja auch als einen „hoffnungslosen Narren“ bezeichnen (lacht). Nein, im Ernst: Klar sind die Kurse jetzt optisch deutlich günstiger als noch zum Jahreswechsel 2021/22. Und bisher hat die Börse noch jeden Rückschlag aufgeholt und es folgten immer neue Höchstkurse. Manchmal geht so eine Erholung rasend schnell, manchmal dauert es aber gefühlte Ewigkeiten. |