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Jeder Tag ist Kauftag - auch jetzt!
Liebe Newsletter-Leserinnen und Leser,
mein Motto „Jeder Tag ist Kauftag“ ist eine provokante Aussage. Nicht nur jetzt, sondern auch in Zeiten, in denen die Aktien ganz oben stehen. Da bekomme ich als Herausgeber besonders zu hören: „Wie kann man jetzt Aktien empfehlen … die stehen doch ganz oben!“ Noch schlimmer ist es, wenn es nach dem Kauf dann tatsächlich ab in den Keller geht – so wie es viele Leser erleben, die vor einem halben Jahr Walt Disney, Coloplast, Nibe oder Netflix gekauft haben.
Und das Schlimmste: Es war nicht meine erste Schieflage! Ich habe auch schon direkt vor dem Coronacrash 2020, vor der Finanzkrise 2008 und zum Höchstkurs in der Interneteuphorie 2000 zum Aktienkauf geblasen.
Mal hoch, mal tief. Wie kann man mir angesichts solcher Schieflagen noch trauen? Ganz einfach: indem man „Jeder Tag ist Kauftag“ wörtlich nimmt. Denn mein Anlagegrundsatz bedeutet NICHT, dass man immer nur ganz oben kaufen soll. Auch wir kaufen gerne zu Tiefstpreisen. Wir kaufen oben UND unten. Oder anders ausgedrückt: Wer unabhängig vom Börsengeschehen kauft – und zwar immer dann, wenn er Geld zur Verfügung hat –, der erhält seine Aktien automatisch mal zu hohen und mal zu niedrigen Preisen. Dadurch ergibt sich ein entsprechender Durchschnittspreis und langfristig eine gute Rendite.
Aber warum überhaupt oben kaufen? Wäre es nicht viel besser, wenn man ausschließlich Rückschläge zum Einstieg nutzte – also zu niedrigen Kursen kauft? So wie jetzt? Stimmt, das wäre tatsächlich effektiver! Aber: Wenn es doch so logisch ist, warum ergreift jetzt kaum jemand die Chance zum billigen Aktienkauf?
Theoretisch einfach, praktisch schwer. Es ist die Börsenpsychologie, die den meisten Anlegern bei ihrem Verhalten einen Strich durch die Rechnung macht. Der typische Börsianer ist ein Herdentier. Mit der Masse wird er angelockt von euphorischen Schlagzeilen und kauft deshalb oft erst, wenn die Kurse bereits stark gestiegen sind. Und wenn die Aktien am Boden liegen, greift er nicht beherzt zu, sondern lässt sich stattdessen die Gedanken vom Pessimismus vernebeln. Daher neigt er in Paniksituationen eher zum Verkauf statt zum Kauf. So wie jetzt, wo die Angst vor steigenden Zinsen, der Inflation, einer möglichen Rezession sowie der Gefahr eines militärischen Flächenbrands viele Börsianer zu Fehlentscheidungen verleitet.
Jeder Tag ist Kauftag – auch jetzt! Also, was tun? Auf diese Frage habe ich die richtige Antwort: „Jeder Tag ist Kauftag – auch jetzt!“ In meinen inzwischen fast 40 aktiven Jahren an der Börse habe ich gelernt, dass es sinnlos ist, den Kursen hinterherzuhecheln. Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Zugreifen? Wann ist oben, wann ist unten?
Mal liegt man mit seiner Einschätzung richtig, mal falsch. Diese Überlegungen verbessern nicht die Performance, im Gegenteil. Ich empfehle, immer dann zu kaufen, wenn Geld vorhanden ist. Unabhängig vom Zeitpunkt und vom aktuellen Kurs. Mit dieser Strategie erwischt man die Aktien mal oben, mal in der Mitte, mal ganz unten.
Diese Strategie funktioniert aber nicht mit allen Papieren, sondern nur mit solchen, die das Zeug dazu haben, langfristig einen Rückschlag aufzuholen. Wachstumswerte haben zwar nicht automatisch eine Aufholgarantie eingebaut – aber die Wahrscheinlichkeit ist weit höher als bei spekulativen Papieren.
Wenn man den Mut hat, die Wachstumsstrategie und damit mein Motto „Jeder Tag ist Kauftag“ konsequent umzusetzen, kann bei langfristigem Anlagehorizont kaum etwas schiefgehen.
In diesem Sinne, Ihr |