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Herausgeber Joachim Brandmaier warnt: „Chinesische Aktien kommen mir nicht ins Depot, zu viel Risiko!"
Chinesische Lehrstunde
Liebe Newsletter-Leserinnen und -Leser,
seit Jahr und Tag warne ich gebetsmühlenhaft vor chinesischen Aktien. Nicht, weil das Land keine Chancen bieten würde, sondern weil die Risiken gewaltig sind – auch wenn sie lange unter der Oberfläche schlummerten. Zuletzt hat die chinesische Regierung aber den Holzhammer ausgepackt und damit unmissverständlich klargemacht, was ihr das Wohl der Aktionäre bedeutet – nichts!
Was ist passiert? Der Kommunistischen Partei ist es ein Dorn im Auge, dass viele Eltern im Wettstreit um die Karriere ihres Kindes ein Heidengeld für Nachhilfestunden ausgeben müssen – und auch deshalb dann meist nur ein Kind bekommen. Darum hat Peking der milliardenschweren Bildungsbranche in einer Hauruckaktion kurzerhand verboten, Geld zu verdienen, und sie so über Nacht quasi ausradiert. Gewerbefreiheit? Eigentumsrechte? Das musste mal wieder hintenanstehen. Klar, dass die Aktionäre angesichts horrender Kursverluste nun im Tal der Tränen hocken.
Wäre diese Lehrstunde für Börsianer auf den Bildungssektor beschränkt, könnte man vielleicht noch darüber hinwegsehen. Doch die chinesische Regierung hat den kapitalistischen Schleier schon vor Monaten fallen lassen. Seither fährt sie einen rigiden Kurs gegen große Techunternehmen und andere Branchen, die sich der Kommunistischen Partei nicht genügend angebiedert und untergeordnet haben. Selbst die größten und stärksten Konzerne wie Tencent und Alibaba werden niedergeknüppelt.
China mag ein besonders krasser Fall sein, doch Börsianer sollten wissen, dass ihnen in anderen Schwellenländern ebenfalls jederzeit harte Prüfungen bevorstehen können. Schließlich hat auch etwa in Russland oder der Türkei im Zweifel der Staat Vorfahrt. Und für die vietnamesische, indische oder südafrikanische Regierung würde ich meine Hand ebenfalls nicht ins Feuer legen …
Ich empfehle deshalb grundsätzlich, die zweifellos vorhandenen Chancen in solchen Ländern am besten mit Aktien etablierter westlicher Konzerne zu nutzen. Denn die profitieren auch von Windeln kaufenden Chinesen, Bier trinkenden Vietnamesen oder Afrikanern, die zum ersten Mal eine Versicherung abschließen, sind aber von diesen Ländern nicht komplett abhängig. Wer in Aktien investiert, lernt sowieso schon oft genug auf die harte Tour aus Fehlern. Da kann man auf Nachhilfe à la China gut und gerne verzichten. |