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Joachim Brandmaier (63): „Allen Unkenrufen zum Trotz sprechen aus meiner Sicht fünf Faktoren für weiter steigende Kurse 2026"
Warum könnte 2026 ein sensationelles Börsenjahr werden?
Liebe Newsletter-Leserinnen und Leser,
ich habe in der Überschrift ganz bewusst formuliert: „könnte“. Denn Sie wissen ja, wie das so ist: Kein Mensch kennt die Zukunft und erst recht nicht die Zukunft an der Börse. Aber bei so viel negativen Einschätzungen, die im Internet und sonst wo kursieren, tut es auch mal gut, die positiven Entwicklungen und Einflussfaktoren anzuschauen. Zunächst aber mal, da kommen wir einfach als besonnene Investoren nicht drumherum, zu dem Negativen: Was sagen denn die Skeptiker alles, was die Kurse nach unten treiben könnte? Oh, denen fällt da jede Menge ein. Und es ist ja einfach so, dass der Mensch von Natur aus vorsichtig und ängstlich ist, denn die ganz besonders Mutigen, oder eher Übermütigen, die sind in der Evolution tendenziell ausgestorben. Deshalb fallen Warnungen nach wie vor oft auf besseren Nährboden als Hoffnungsmacher.
Negativ sind natürlich die teilweise stark gestiegenen Kurse selbst, insbesondere bei den Techwerten und da speziell bei KI-Aktien. Da könnte es natürlich eine Korrektur geben. Teilweise gibt es die ja auch schon. Aber auch der Markt als Ganzes ist höher bewertet als noch vor zwei, drei Jahren. Der Dollar könnte weiter fallen, was unsere US-Aktien belasten würde. Der Krieg in der Ukraine könnte weitergehen. China oder die USA könnten sogar einen Krieg etwa gegen Taiwan oder Venezuela anzetteln, die Inflation könnte wieder aufflammen und die Zinsen könnten dadurch gezwungenermaßen steigen. Sie sehen: Schon bei dieser kleinen Auswahl an möglichen Gefahrenherden geht einem das „könnte“ auf den Keks und es kann einem schummrig werden.
Man darf aber nicht vergessen, dass es IMMER Gefahren für die Börse gibt. Und meistens sind die schlimmsten sogar die, die überhaupt keiner auf dem Schirm hat, sogenannte schwarze Schwäne. Aber man sollte eben auch nicht vergessen, dass genau diese Unsicherheit auch die überlegene Rendite von Aktien überhaupt erst möglich macht. Nur weil man nicht wie auf dem Sparbuch oder beim Festgeld gewisse Prozente ganz sicher bekommt, weil also eine Unsicherheit sozusagen bezahlt werden muss, nur deshalb können wir bei Aktien letztlich mehr kassieren. Nicht in jedem Jahr und nicht bei jeder Aktie, aber im Gesamtdepot auf Dauer. Und auf Dauer zeigt sich, dass letztlich – zumindest bisher immer – doch die guten Entwicklungen überwiegen, auch wenn die nicht so spektakulär sind. Dass es die Unternehmen schaffen, Gewinne zu erwirtschaften, diese auch zu steigern und Dividenden auszuzahlen.
So viel Grundlegendes musste jetzt sein. Aber wie sieht es denn nun aktuell mit den positiven Faktoren aus? Gibt es da überhaupt welche? Oder überwiegt das Negative momentan dermaßen, dass die Kurse wirklich gar keine Chance haben zu steigen? Nun, ich denke nicht. Allein schon deshalb: Wenn es so wäre, dass die Aktien 2026 fallen müssten, wenn das also ganz klar wäre, dann würden die Investoren jetzt schon aussteigen. Die hätten nicht 2025 wie wild Aktien gekauft in der Erwartung, dass die Kurse 2026 einbrechen. Die Börse versucht ja immer, die Zukunft zu bewerten. Und wenn 2025 viel Geld in die Aktien hineingeflossen ist, muss es so sein, dass Aktien zumindest die Möglichkeit haben, weiter zu steigen. Also können, nicht müssen.
Aber ich fange jetzt endlich mit den Gründen an, die für Aktien sprechen. Los geht es mit einem Grund, der vielleicht ultralangweilig klingt, aber sehr, sehr wichtig ist: Sparpläne. Monat für Monat investieren Menschen auf der ganzen Welt Geld über Sparpläne an der Börse. Da schauen sie nicht, wo die Kurse gerade stehen, das Geld wird vom Konto abgebucht und dafür werden Aktien gekauft. Wie eine Maschine, ohne nach links und rechts zu schauen. Fertig. Ob das direkt Aktiensparpläne sind, Fondssparpläne oder ETF-Sparpläne spielt keine Rolle. Und da überlegen die Menschen auch nicht wie bei ihrem „normalen“ Depot, wo man die Aktien dauernd im Blick hat, ob man vielleicht mal verkaufen sollte. Das läuft einfach weiter. Und dieser stete Geld-Zustrom sorgt für dauerhafte Nachfrage nach Aktien. Ganz gleich, was die Spekulanten treiben oder wie gerade im Moment die Stimmung an der Börse ist.
Eine zweite solche „Urkraft“ ist natürlich das Bevölkerungswachstum. Zugegeben, das prozentuale Tempo des Zuwachses hat nachgelassen und wird auch weiter nachlassen, weil die Menschen immer weniger Kinder in die Welt setzen. Aber noch wird die Zahl der Menschen vermutlich auf Jahrzehnte hinaus zunehmen. Mehr Menschen bedeuten mehr Konsumenten, mehr Nachfrage und mehr Gewinnchancen für Unternehmen. Die Weltwirtschaft soll jedenfalls auch 2026 weiterwachsen. Im Schnitt gehen die Volkswirtschaftler von einem Wachstum von rund drei Prozent aus. Die Gefahr einer Rezession sei minimal, heißt es. In den USA dürfte die Verabschiedung des „One Big Beautiful Act“ für einen bedeutenden fiskalischen Impuls sorgen. In Deutschland birgt das Ende der Schuldenbremse Wachstumsfantasie – auch wenn das Ganze natürlich schuldenfinanziert ist. Da kommt die Rechnung dann wahrscheinlich später.
Dann gibt es etwas, was bei einem Teil der Aktien für steigende Aktienkurse spricht. Das trifft genau auf jene Aktien zu, die zuletzt eben nicht Teilnehmer des Börsenhypes waren. Obwohl nämlich viele Kurse auf Allzeithoch oder in der Nähe davon stehen, sind zahlreiche Aktien eben nicht gestiegen, sondern im Gegenteil gefallen. Denken Sie mal an Nike, jetzt gerade noch mal abgestürzt, und Nibe. Oder an die Konsumaktien wie Pepsi und Nestlé. Zuletzt haben sogar die ansonsten so konstanten Industriegasaktien verloren, also Air Liquide, Linde und vor allem Air Products. Oder Medizintechniker wie Becton Dickinson, vom Pharmakonzern Novo Nordisk ganz zu schweigen. Daneben Aptargroup, General Mills und und und. Also, Sie sehen: Wenn die Leute Angst haben vor zu stark gestiegenen Kursen, dann finden sie genug Titel, die es derzeit mit Rabatt gibt, teilweise mit dickem Rabatt.
Entscheidender Treiber für eine gute Kursentwicklung ist freilich immer die Gewinnentwicklung der Unternehmen. Und auch da kann ich Ihnen sagen: Das sieht es im Durchschnitt für 2026 ebenfalls gut aus. Zumindest was die Prognosen angeht! Wie die Wirklichkeit wird, wissen wir natürlich auch hier nicht. Die Wall-Street-Experten sagen für US-Aktien im Jahr 2026 ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 14 Prozent voraus. 14 Prozent. Und wenn da noch Aktienrückkäufe dazukommen, steigt der Gewinn je Aktie natürlich noch mehr. Aber bleiben wir mal beim gesamten Nettogewinn und schauen uns ein paar Beispiele an: Bei Pepsi werden 20 Prozent mehr Gewinn erwartet, bei Amazon 12 Prozent, bei Nibe 40, bei McCormick 7 und bei Linde 9 Prozent. Bei Stryker 23 und bei Cisco 18 Prozent. Also Sie sehen, das könnte auch schlechter sein.
Vergessen dürfen wir auch nicht die Dividende: Die ist einfach immer ein Grund, in Aktien zu investieren. Jetzt nicht direkt ein Grund, warum die Kurse steigen, aber die Dividende fließt eben in der Regel auch dann, wenn die Aktien fallen. Und sie sorgt auch dafür, dass Menschen Aktien überhaupt erst kaufen und damit dann wiederum für eine entsprechende Nachfrage nach Unternehmensbeteiligungen sorgen.
Sie sehen: Trotz der Gefahren, die es zweifellos gibt, spricht – mal wieder – nicht alles gegen Aktien. Und das schon gar nicht langfristig. Denn die langfristige Überrendite von Aktien setzt sich ja aus guten und schlechten Jahren zusammen. Und wenn man diese Überrendite erzielen will, muss man einfach dauerhaft investiert bleiben. Da ist es dann hilfreich, wenn man sich nicht dauernd den Kopf zerbricht, wie das neue Jahr wohl werden wird. Sinnvoller ist es, zu überlegen, mit welchen neuen Aktien man seine Depotaufstellung verbessern kann oder wo sich vielleicht ein Nachkauf beziehungsweise ein Neukauf lohnt. Und da stehen wir allen unsere Stuttgarter Aktienbrief-Lesern natürlich in jeder Ausgabe wie gewohnt mit Rat und Tat zur Seite. (Sie sind noch kein Leser des Stuttgarter Aktienbriefes? Dann machen Sie doch einfach einmal bei uns mit, dazu hier anklicken ...)
Schön, dass Sie meinen heute sehr ausführlichen Kommentar bis hierhin gelesen haben - ich wünsche Ihnen wunderschöne Weihnachtsfeiertage. Hoffentlich müssen Sie am Montag und Dienstag vor Heiligabend nicht mehr so arg viele Weihnachtsgeschenke besorgen, sondern können dem Fest entspannt entgegensehen. |