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Dann lieber würfeln ....
Liebe Newsletter-Leserinnen und -Leser,
ich bin eigentlich ein ausgeglichener Mensch, so schnell bringt mich nichts aus der Ruhe, erst recht mit jetzt 61. Aber eine Gruppe in der Finanzwelt lässt meinen Blutdruck regelmäßig in die Höhe schießen: die Analysten. Nicht, dass ich von mir behaupten würde, ich könne besser als diese „Experten“ hellsehen, wohin sich diese oder jene Aktie in den kommenden Wochen entwickelt. Erst recht kann ich keine punktgenauen Prognosen abliefern. Aber ich erwecke – hoffentlich – auch nicht diesen Anschein!
Ganz anders die Analysten. Die geben konkrete Kursziele heraus und erwarten auch noch dreist, dass Aktien und Anleger sich brav danach richten. Sie tun so, als hätten sie besonders tiefe Einblicke, haben sie aber oft gar nicht. Noch letzten Freitag hat ein Analyst von JPMorgan die Aktie der mittlerweile dichtgemachten Silicon Valley Bank auf „übergewichten“ gestuft, aber Minuten danach hat sich der bereits abgestürzte Kurs nochmals gedrittelt! War das einfach Pech? Vielleicht.
Neulich ist mir ein Fall untergekommen, da hat ein Analyst bei ein und derselben Aktie in kurzer Zeit dreimal seine Empfehlung geändert: erst von kaufen auf verkaufen, kurz später wieder auf kaufen und dann zurück auf verkaufen. Und was hat die Aktie gemacht? Die ist jedes Mal genau in die andere Richtung gelaufen! Da musste ich dann doch mal herzhaft lachen.
Besonders unterhaltsam ist es auch immer nach Quartalszahlen. Am Tag danach rappelt es meist nur so vor neuen Analystenurteilen. Oft gehen die aber in völlig unterschiedliche Richtungen. Das ist, als stünde man an einem Wegweiser, der in alle vier Himmelsrichtungen zeigt. Und wenn sich doch mal sämtliche Analysten einig sind und zum Beispiel nach schlechten Zahlen ihr Urteil unisono auf „verkaufen“ herabsetzen – dann ist der Kurs meist schon längst gepurzelt ...
Ganz sicher strengen sich diese gut bezahlten Aktienfachleute redlich an, aus allen Daten, die sie erhaschen können, einen „fairen“ Kurs und ihre Prognose zusammenzubasteln – nur leider halten sich die widerspenstigen Aktien so selten daran wie kleine Kinder, denen man sagt: „Lass das liegen.“
Ihnen als langfristig denkenden Wachstumsstrategen kann ich deshalb nur empfehlen, Analystenurteile so gut es geht zu ignorieren! Das untermauert übrigens eine Studie, die Folgendes gezeigt hat: Wenn man nach Kaufempfehlungen von Analysten kauft und nach Verkaufsempfehlungen verkauft, lag die Erfolgsquote bei: unter (!) 50 Prozent.
Dann doch lieber würfeln ...
In diesem Sinne, ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Börsenwoche, |